Winterschlaf

Diese Zeilen bieten keine Neuigkeiten für Schildkrötenhalter die bereits Erfahrungen mit der Überwinterung haben, sondern sind lediglich für Anfänger als Anleitung gedacht.

Voraussetzungen: Die gesunde Schildkröte ist eine der beiden Vorraussetzungen. Auf keinen Fall sollten irgendwie auffällige oder gar kranke Schildkröten in den Winterschlaf geschickt werden. Das bedeutet; Jungtiere sollten im laufenden Jahr gut zugenommen haben und Alttiere auf jeden fall ihr Gewicht gehalten haben. Und im Idealfall sollte ca 4 Wochen vor dem Winterschlaf noch mal eine Kotprobe auf Parasiten untersucht werden. Denn ein Wurmbefall stellt im Winterschlaf immer ein Risiko dar.

Der geeignete Raum zum Überwintern ist unerlässlich. Steht nur ein schlechter Raum zur Verfügung sollte besser gar nicht überwintert werden, oder die Tiere dazu weggegeben werden. Der geeignete Raum ist ein Raum, der die gesamte Zeit eine Temperatur zwischen 4 und 8 Grad hält, mit nur kurzen Abweichungen auf 2 oder 10 Grad und auf jeden fall völlig frostfrei. Oder aber man wählt die anfänglich etwas ungewöhnliche Methode des Kühlschrankes. Aber auch hier bitte nicht den alten Kühlschrank benutzen, in dem früher schon öfter die Milch eingefroren ist.

Vorbereitung der Tiere: Ungefähr 2 Wochen vor dem geplanten Einwinterungstermin, normalerweise Mitte Oktober hört man mit dem Füttern auf, fährt langsam die Temperatur herunter und verkürzt die Beleuchtungsdauer. So das die Schildkröte am Ende der zwei Wochen nur noch bei Raumtemperatur sitzt und auch nicht mehr sehr aktiv ist.  Falls sich bei der Kotuntersuchung noch Parasiten gefunden haben entwurmt man die Schildkröten noch einmal rechtzeitig, am besten 4 Wochen vor dem Einschlafen. Nach diesen 2 Wochen wiegt man die Tiere und setzt sie in die Überwinterungsbehälter, wo sie in der Regel in ein bis zwei Tagen entgültig zur Ruhe kommen und einschlafen.

Behälter: Der Behälter sollte Nagetiersicher verschlossen sein. Eine Holz oder Kunststoffkiste, gefüllt mit Laub und Moos in dem die Schildkröten sich eingraben können, dient bei uns als Überwinterungsbehälter. Das Material sollte leicht feucht, aber auf gar keinen Fall nass sein. Andere geignete Materialien sind Rindenmulch oder Buchenholzhäcksel.

Überwachung des Winterschlafes: In den ersten Tagen kontrollieren Sie alle 2 Tage um zu sehen ob die Tiere auch schlafen. Wenn das der Fall ist kontrollieren wir alle vier Wochen nur noch das Gewicht der Tiere. Sie brauchen keine Angst haben, das Ihre Schildkröten beim wiegen aufwachen. Gesunde Schildkröten verlieren bei funktionierendem Winterschlaf in 5 Monaten nicht mehr als 10% Körpergewicht, normalerweise sogar weniger bis gar nichts. Falls bei einem Tier ein zu starker Gewichtsverlust festzustellen ist, wecken sie es auf. Die Dauer des Winterschlafes hängt natürlich von der Art Ihrer Tiere, deren Herkunft, Alter und Zustand ab. Er sollte nicht weniger als 8 Wochen dauern, da sonst die Umstellungsprozesse für den Stoffwechsel zu anstrengend im Vergleich zur Ruhephase sind. Aber für eine Testudo hermanni vom Balkan sind 5 Monate kein Problem. Jährlinge lassen viele Leute nur 8 Wochen schlafen.

Richtiges Auswintern: Hier sei vorneweg gesagt, das dieses die kritische Phase des Winterschlafes ist und der besonderen Aufmerksamkeit des Schildkrötenhalters bedarf. Zu Verlusten kommt es in der Regel nicht während des Winterschlafes sonder durch fehlende Kontrolle und Sorgfalt in der Überwachung danach, besonders bei Gruppenhaltung wo die Kontrolle aller Einzeltiere schwieriger ist. Wirklich vorbei und Überstanden ist die Aufwachphase, wenn alle Schildkröten gut fressen und Kot und Harnsäure ausgeschieden haben. Wir wecken unsere Tiere meist im März, wenn die ersten warmen Tage auch langsam in den Überwinterungsraum dringen und das erste Tier von selbst wach wird. Dann werden alle Tiere warm gebadet und kommen in das bei Sonne schon mollig warme Gewächshaus, welches an kühlen Tagen zusätzliche Wärmequellen bietet. Nun gilt es bei jedem einzelnen Tier zu verfolgen, das es spätestens binnen 10-14 Tagen mit reichlicher Nahrungsaufnahme beginnt und seine Aktivität steigert. Tut es das nicht ist es ein Fall für den Tierarzt, welcher das Problem, genannt posthibernale Anorexie (fehlende Futteraufnahme nach dem Winterschlaf), zumindest bei rechtzeitiger Behandlung in der Regel erfolgreich beheben kann. Ohne Tierarzt sterben Schildkröten leider recht häufig an diesem Problem. Zusammenfassen lässt sich die Aufwachphase auf die Punkte ausreichende Wärme und Licht, die es dem Tier zügig ermöglichen den Stoffwechsel hochzufahren um die im Winter angesammelten Abbauprodukte und Schadstoffe auszuscheiden, dazu muss es ausreichend Flüssigkeit und Futter aufnehmen.